GESTERN KäMPFER, HEUTE GESCHäFTSMANN

(…) Dies waren Informationen von Nuruddin Karschibojew, dem Leiter des Nationalen Verbands unabhängiger Medien Tadschikistans, dem das Informations- und Ausbildungszentrum “Manischa” angehört. Hier ist nun die Meinung eines Außenstehenden. Das Wort hat der bekannte tadschikische Journalist Oleg Panfilow:

“Ich habe zwei Menschen getroffen, die dank des Integrations-Programms Eigentümer privater Geschäfte geworden sind. Einer heißt Chajriddin und ist Besitzer eines kleinen Cafés in Kalajchum, das nur wenige Hundert Meter von der Grenze zu Afghanistan entfernt ist. Chajriddin ist glücklich, endlich ein eigenes Geschäft zu haben. Natürlich ist der Service im Café weit vom heutigen Standard entfernt, aber der Eigentümer ist zufrieden, Arbeit zu haben. Der zweite Mann ist Besitzer eines kleinen Geschäfts, das sich ebenfalls im Zentrum Kalajchums befindet. Es ist bereits ein völlig modernes Geschäft, in dem viele Waren angeboten werden. Ich habe dort keine Alkoholika gesehen, da der Eigentümer ein ehemaliger Kämpfer der islamischen Opposition ist. Die Tatsache, dass Alkoholika im Sortiment fehlen, gefällt mir, weil man Wodka in Tadschikistan frei kaufen kann, was jedoch der Mehrheit der Bevölkerung missfällt.”

Frage: “Das Programm zur Integration ehemaliger Militärs in das friedliche Leben des Landes ist noch ein Pilotprojekt. Kann man die ersten Ergebnisse als positiv bewerten?”

Oleg Panfilow: “Ja natürlich, das sind sehr positive Ergebnisse und ich denke, viele meiner neuen Bekannten werden beneidet. Es ist wirklich hervorragend, dass man es sich in seiner Heimat, in Tadschikistan, so gut einrichten kann. Die Mehrheit der Tadschiken sind gezwungen, in Russland oder in anderen GUS-Staaten Geld zu verdienen. Dort kommen sie in eine schwierige Situation, weil sie den Kontakt zur Heimat verlieren. Die Menschen sind gezwungen, ihre Familien und das eigene Heim für lange Zeit zu verlassen. Und diejenigen, die ein eigenes Geschäft eröffnen konnten, wollen es sogar noch ausbauen. Chajriddin sagte mir, er befasse sich nicht mehr mit Politik und interessiere sich auch nicht mehr für aktuelle politische Probleme. Er ist ein richtiger Geschäftsmann geworden und man muss sein glückliches Gesicht gesehen haben, als er über seine Arbeit gesprochen hatte. (MO)